Hunde schnüffeln

Hunde schnüffeln

oder: Warum schafft man sich einen Hund an, wenn er keine Hundesachen machen darf?

Immer wieder höre ich im Training Sätze wie:

  • „Der schnüffelt ständig.“
  • „Der hat nur die Nase auf dem Boden, das ist total anstrengend.“
  • „Überall muss der schnüffeln.“

Ganz ehrlich? Ich verstehe diese Aussagen nicht.

Hunde schnüffeln – das ist ein grundlegender Teil ihres Wesens. Ihre Nase ist ihr wichtigstes Sinnesorgan, mit dem sie die Welt wahrnehmen. Sie nehmen über Gerüche Informationen auf, die uns verborgen bleiben. Während wir in Social Media scrollen oder Nachrichten überfliegen, liest ein Hund die „Nachrichten des Tages“ über Duftspuren auf dem Boden. Sei es die Markierung eines Artgenossen oder der Duft eines modrigen Laubhaufens – für einen Hund sind das wertvolle Informationen.

In Bereichen wie der Personensuche, der Drogenspürarbeit oder der Nasenarbeit im Hobbybereich ist es ausdrücklich gewünscht, dass Hunde ihre Nase einsetzen. Warum also sollte es nicht genauso willkommen sein, wenn ein Hund auf seinem Spaziergang schnüffelt?

Schnüffeln lastet Hunde nicht nur körperlich, sondern vor allem mental aus. Es entspannt sie, sorgt für geistige Beschäftigung und macht sie glücklich. Ein Hund, der nicht mehr schnüffelt, könnte sogar gesundheitliche oder psychische Probleme haben, die dringend untersucht werden sollten.

Deshalb ist es für mich unverständlich, wenn Menschen ihrem Hund das Schnüffeln verbieten. Wer nicht möchte, dass ein Hund sich hundetypisch verhält, sollte sich vielleicht fragen, ob ein Hund überhaupt das passende Haustier ist. Denn ein Spaziergang ist für den Hund da – und ein entspannter Schnüffelspaziergang bringt ihm mehr Auslastung als jede noch so schnelle Joggingrunde.

Die Bedeutung des Schnüffelns für die geistige Gesundheit

Viele Verhaltensprobleme bei Hunden entstehen durch Unterforderung – nicht nur körperlich, sondern vor allem geistig. Ein Hund, der ausreichend schnüffeln darf, bekommt die Möglichkeit, seine Umwelt aktiv zu erkunden und seine natürlichen Bedürfnissen entsprechend auszuleben. Gerade für unsichere oder ängstliche Hunde kann das gezielte Schnüffeln eine enorme Hilfe sein, um sich sicherer zu fühlen.

Darüber hinaus stärkt es die Bindung zwischen Mensch und Hund, wenn wir unseren Vierbeinern die Freiheit geben, in ihrem Tempo zu entdecken und zu erforschen. Anstatt hektisch durch den Park zu hetzen, können wir unsere Hunde beobachten und gemeinsam mit ihnen kleine Entdeckungen machen. Wer seinem Hund die Zeit gibt, die er für seine Erkundungen braucht, wird mit einem glücklichen und ausgeglichenen Begleiter belohnt.

Tipps für einen entspannten Schnüffelspaziergang

  • Lasst den Hund das Tempo bestimmen: Nicht jeder Spaziergang muss ein Fitnesslauf sein. Manchmal reicht es, eine kürzere Strecke zu gehen, aber dem Hund die Zeit zu lassen, alles zu erkunden. #smilingleash
  • Nutzt unterschiedliche Wege: Abwechslung in der Umgebung (z.B. leere Parkplätze von Einkaufszentren) sorgt für neue Reize und spannende Gerüche. #enrichedenvironment
  • Setzt gezielte Schnüffelspiele ein: Zum Beispiel könnt ihr Futter oder kleine Gegenstände verstecken, die der Hund erschnüffeln kann. Das sorgt für zusätzlichen Spaß und fördert die Konzentration.
  • Akzeptiert, dass euer Hund schnüffeln muss: Es ist keine schlechte Angewohnheit, sondern ein natürliches Bedürfnis.

Geben wir unseren Hunden die Zeit und die Möglichkeit, ihre Welt auf ihre Weise zu erkunden. Sie werden es uns mit Zufriedenheit, Entspannung und einem ausgeglichenen Wesen danken.

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